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Ja, hallo – hier ist wieder der Axel von Radio Salix. In dieser Folge wird es zuerst einmal um eine interessante, neue Studie gehen. Die Verfasser und Verfasserinnen haben nach Auswertung einer Befragung festgestellt, dass immer mehr Menschen in Deutschland der Meinung sind, dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft mehr und mehr zurückgeht. Dazu habe ich dann auch noch einen Vorschlag , der einen Beitrag leisten will, genau dagegen anzugehen.
Bist du bereit? Dann also los: In den Folgen vier und fünf ging es ja schon um das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und auch um die Kraft, die vom Zusammenschluss Einzelner zu einer Gemeinschaft ausgehen kann. Eine interessante Ergänzung dazu bildet eine Studie, die das Düsseldorfer Rheingold-Institut im Auftrag der Identity Foundation durchgeführt hat. Das Rheingold Institut ist ein Markt- und Medienforschungsinstitut mit der Spezialisierung auf tiefenpsychologische Untersuchungen und die Identy Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung für Philosophie, die ihren Sitz in Düsseldorf hat. Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Gefühl von Verbundenheit innerhalb unserer Gemeinschaft immer mehr droht, verloren zu gehen. Die Studie hat als Ergebnis erbracht, dass fast 90 % der Menschen in Deutschland eine wachsende Trennung und Vereinzelung in der Gesellschaft wahrnehmen und ihre Besorgnis darüber äußern.
Betrachtet wurde in dieser Studie nicht nur das Verhältnis von Menschen zu ihren Familien, Freunden und Nachbarn, sondern auch zur Politik und zu Menschen außerhalb des eigenen Lebensradius, über die sie meist durch die verschiedenen Medienkanäle informiert werden. Ich zitiere einmal: „Ganze 89 % stimmen zu, dass unsere Gesellschaft gespalten und ein gemeinsames „Wir-Gefühl“ verloren gegangen ist. Und nur noch 9 % von ihnen glauben, dass sich das Gemeinschaftsgefühl in den nächsten zehn Jahren verbessern wird. (Im Jahr 2023 waren das übrigens noch 17 %.)“ Dieses Zitat stammt aus der Studie „Angst vor Sozialer Entzweiung – Verbundenheit in Deutschland in der Krise. Die komplette Studie ist auf der Homepage der Identity Foundation nachzulesen.
Auf die Details der Studie möchte ich hier und jetzt nicht weiter eingehen. Wie schon gesagt, kann man sie downloaden oder in Ruhe auf der Homepage nachlesen – wenn‘s interessiert.
Über die Ursachen der Entwicklung, die die Studie aufzeigt, könnte ich nur spekulieren und ich werde beim Lesen die ganze Zeit die Frage nicht los, ob früher wirklich alles besser war? Das spielt vielleicht aber auch gar keine Rolle. Wichtig ist wohl eher, dass die aktuellen Probleme anscheinend immer komplexer und auch bedrohlicher werden oder zumindest so erscheinen. Sicher bin ich mir aber auch, dass sie von den Behörden und der Politik nicht allein bewältigt werden können. Sei es, weil die Finanzlage es nicht zulässt, weil Stellen unbesetzt sind oder ganz einfach, weil die erforderlichen Prozesse viel zu langsam ablaufen. Und da kommt das freiwillige bürgerschaftliche Engagement oder kurz, das Ehrenamt ins Spiel. Vereine und Initiativen, wie die Tafeln, die Frauenhäuser oder mein Verein Mentor – Die Leselernhelfer, helfen mit ihren Möglichkeiten flexibel und unbürokratisch, wo immer Hilfe erforderlich ist. Sie organisieren sich selbst und helfen so dabei, gesellschaftliche Probleme aufzufangen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Und auch viele andere teils neue Initiativen setzen sich intensiv für die Themen Klima- und Naturschutz, Kultur und Bildung oder auch Sport- und Freizeitangebote ein und tragen so zur Stärkung unserer Gemeinschaft bei. Vielen Dank dafür an alle!
Die meisten dieser Organisationen und Vereine haben aber selbst ein Problem: Sie finden nur schwer oder gar keine neuen Mitglieder, die den wachsenden Bedarf mit auffangen oder Ehrenamtler ersetzen können, die aus den verschiedensten Gründen, ihre Mitarbeit dort einstellen wollen oder müssen. Und das ist der Grund und das Thema dieser Podcast-Folge. Gleich mehr dazu.
Erst aber noch einmal zurück zur Studie: Was mich so beindruckt oder auch wundert, ist, dass die Zahl mit 89 % der Befragten so hoch ist, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt akut bedroht sehen. Von 100 erwachsenen Menschen, die mir auf der Straße begegnen, sollten danach also außer mir noch 88 weitere der Ansicht sein, dass hier ein Problem besteht, das unser Zusammenleben gefährdet und für das dringend Lösungen gesucht werden müssen? Hm. Ich glaube den Befragten die persönlichen Sorgen gerne, aber wenn 89 % der Menschen hier – berechtigterweise - ein Problem sehen, warum werden Sie dann aus so einer breiten Basis heraus nicht selbst aktiv und fangen an, das Verloren geglaubte wieder zu erwecken und mit neuem Leben zu füllen? Was hält uns denn davon ab, aufeinander zuzugehen und die Dinge gemeinsam zu ändern?
Natürlich, Gründe, warum das nicht geschieht, gibt es reichlich und mir ist klar, dass komplexe Probleme nicht mit der einen Idee oder ein paar schlauen Sätzen zu erklären und schon gar nicht zu lösen sind. Besonders einer der Gründe, warum das alles eben nicht so einfach ist, ist mir in den letzten Jahren selbst mehrfach begegnet. Und darüber sollten wir gemeinsam nachdenken:
Ich beschreibe einmal die Situation: In der Zeit seit Anfang 2023 habe ich mich in meiner Heimatstadt Dinslaken auf der Suche nach Gleichgesinnten gemacht, die sich im Bereich Kultur, Klima- und Naturschutz bei uns engagieren möchten. Dabei bin ich auf eine ganze Reihe von sehr engagieren Menschen gestoßen, die aber zumeist vor ähnliche Probleme gestellt waren, schon bevor sie mit ihren eigentlichen Projekten beginnen konnten.
Schaun wir mal, worum es da ging: Zuerst einmal stand die Frage im Raum, wo man sich überhaupt treffen könnte? Die Lösung: Das Hinterzimmer einer Kneipe, ein Café oder auch die Stadtbibliothek.
Dann: Gibt es Fördermöglichkeiten für das Projekt und wenn ja, wie kommt man daran? Reine Glücksache, hierzu etwas on- oder offline zu finden, denn der deutsche Förderdschungel ist stellenweise kaum zu durchdringen.
Genauso standen schon bald diese Fragen im Raum: Gibt es das bei uns schon oder gründen wir einen eigenen Verein oder eine Bürgerinitiative und: wie geht das überhaupt? Wie finde ich Menschen, die das Gleiche suchen und wollen wie ich? Wie schreibt man einen Presseartikel, der dann auch wirklich veröffentlicht wird? Genügt dazu die Lokalzeitung oder gehe ich lieber online zu Facebook, Instagram, Tiktok und Co.? Oder vielleicht doch besser eine eigene Website oder ein Podcast? Wer kann so etwas und was wird es möglicherweise kosten? Und das ist nur eine kleine Auswahl von Fragen und Problemen, die mir bei meiner Odysee begegnet sind.
Ich bin mir sicher, dass die Situation anders aussähe, wenn es genügend beratende Institutionen oder einfach Orte als Anlaufstellen für Menschen gäbe, die sich freiwillig für die Gesellschaft und den Zusammenhalt engagieren wollen. Mit dem Blick auf meine Heimatstadt am Niederrhein erlebe ich, dass zwar die großen Player der freiwilligen Arbeit, wie zum Beispiel das Rote Kreuz, die Caritas oder die Feuerwehr, in unserer Stadt recht gut präsent sind, dass aber gerade die kleinen und auch die neuen Initiativen kaum die Möglichkeit haben, sich selbst zu informieren und organisieren, und dann ihre Arbeit und ihre Bedürfnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren und Interessierte zum Mitmachen einzuladen.
Und um das geht es ja bei den vielen Versuchen, unsere Gesellschaft wieder zusammenzubringen und zusammenzuhalten: Hilfen anbieten, wo sonst niemand schnell helfen würde und signalisieren: „Du wirst nicht alleingelassen“ oder gemeinschaftlich Antworten zu suchen, auf die dringenden Fragen, die uns alle aktuell bewegen, wie beispielsweise die Bemühungen um eine gelingende Integration jeglicher Art oder den Kampf gegen den Klimawandel.
Ein kleiner Presseartikel hier und ein selbst gebastelter Flyer dort ersetzen einfach nicht die Erfahrung und die stabilen Strukturen, die erforderlich wären, um eine angemessene Zahl von Gleichgesinnten zusammenzubringen und auch zusammen zu halten. Wenn der Wunsch besteht, eine auf Dauer harmonierende und tragfähige Gemeinschaft zum Nutzen aller zu bilden, müssen die Aufgaben und Lasten unbedingt auf viele Schultern verteilt werden. Diese breite Basis herzustellen, erfordert dauerhafte und gute Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, wie ich schon sagte!
Gut, dann noch ein kurzer Break: In unserer Stadt, wie in sicher vielen deutschen Städten und Gemeinden einer gewissen Größenordnung hat jede Partei mit Sitz im Stadtrat ein großzügiges Parteibüro – bei uns meist in der Fußgängerzone und am Marktplatz. Das waren einmal Ladenlokale, die Publikum in die Innenstadt gebracht haben. Durch die zunehmende Verlagerung des Handels ins Internet wurden hier mehr und mehr Geschäfte nur schwer vermietbar. Aber die Leerstände in der Innenstadt sind ein anderes Problem – Deshalb das nur am Rande!
Zurück zu den Büros: Hier also treffen sich die Parteifreunde und -freundinnen gelegentlich oder regelmäßig. Es gibt große Schaufenster, in denen man seine Arbeit großzügig in Wort und Bild präsentieren kann – auch wenn niemand direkt vor Ort ist – und dass ist meist der Fall. Für eine gute Wahrnehmung der einzelnen Parteien in unserer Stadtgesellschaft ist also gesorgt.
Diese Locations in Toplage werden aus der Stadtkasse finanziert und damit auch von den Steuern der 89% der Bürger bezahlt, denen vernünftige und niederschwellige Anlaufstellen für eigene Initiativen fehlen. Und genau darauf will ich hinaus: Wir brauchen diese Orte mit guter Sichtbarkeit für bürgerschaftlich organisierte Projekte genauso, wie die Parteien. Und dazu noch die gleichwertige Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Es ist sicher einen Versuch wert, hier etwas zusammen zu bringen, was eigentlich zusammengehört. Meine Idee, mein Plan, mein Projekt. Ich werde darüber berichten.
Und die positiven Beispiele, die zeigen, wie es gehen kann, die gibt es ja: In Gelsenkirchen etwa gibt es eine Ehrenamtsagentur, die als gemeinnütziger Verein und damit selbst ehrenamtlich organisiert ist. Die wichtigsten Informationen für Bürgerinnen und Bürger, die sich – vielleicht zum ersten Mal - für das Gemeinwohl engagieren wollen, sind auf einer übersichtlichen Website leicht auffindbar, es gibt eine Anlaufstelle direkt in der Fußgängerzone und dazu Fördermittel und Sponsoren, die für die finanzielle Absicherung sorgen. So muss es sein und Gelsenkirchen ist nun wirklich kein Beispiel für eine Stadt, in der Integration und Zusammenhalt von selbst laufen! Schau einfach mal auf die Homepage des Vereins unter www.ehrenamt.gelsenkirchen.de . Den Link stelle ich zusammen mit anderen Positivbeispielen auch auf die meine Seite radio-salix.de.
Ich bin mir sicher, eine mitdenkende und gemeinschaftlich orientierte Stadtgesellschaft mit entsprechenden Strukturen wird sich am Ende für das Zusammenleben aller mehr als auszahlen! In Gelsenkirchen und sicher auch in vielen anderen Regionen, Städten und Gemeinden wurde das anscheinend frühzeitig erkannt. Ich bin sicher, es gibt irgendwo das Licht am Ende des Tunnels, aber im Moment scheint es wohl noch nicht bis hierher.
Ich fasse noch mal kurz zusammen: Beinahe 90% meiner Mitmenschen wünschen sich wieder mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Rückkehr eines „Wir-Gefühls“ – was immer das auch ist. Sie sehen das Gemeinschaftsgefühl im Rückgang und sorgen sich offensichtlich und sehr berechtigt deswegen. Das ist die Grundannahme, die uns die Studie nahelegt. Die Frage nach den Gründen wird eine große Zahl von Soziologen, Politologen und anderen Experten sicher noch lange beschäftigen. Ich habe heute nur auf eine auf der vielen Stellschrauben des Problems geschaut, an der relativ leicht gedreht werden kann, wenn der Wille dazu da ist. Eine Aufzählung von verschiedenen Projekten der letzten Jahre, in die bei uns permanent Geld abgeflossen ist, das anderswo deutlich besser investiert worden wäre, verkneife ich mir hier einfach mal.
Wichtiger ist: Das freiwillige bürgerschaftliche Engagement muss in vielen Städten und Gemeinden niederschwellig zugänglich sein und professionell organisiert werden. Nur bringen wir genügend an den gleichen Themen interessierte Menschen einer Region an einen Tisch, dass eine tragfähige Gemeinschaft entstehen kann, die für die gewaltige Veränderungsarbeit, die vor uns liegt, so dringend benötigt werden. Dazu werden neben finanzieller und organisatorischer Unterstützung auch Orte im öffentlichen Raum benötigt, die wegen der Leerstände in den Innenstädten ja bereits vorhanden sind. Sie müssen nur vernünftig finanziert, präsentiert und dann auch angenommen werden. So besteht vielleicht doch Hoffnung, dass die nächsten 88 Menschen, die mir auf der Straße begegnen, zumindest teilweise von besorgten Kritikern zu planvoll und gemeinschaftlich Handelnden werden, ganz einfach, weil sie wissen, sie sind nicht allein.
Es sind also noch viele weitere kreative Ideen gefragt, die vielleicht verbunden mit ein wenig Geld für eine deutliche Verbesserung der Situation des gemeinnützigen Engagements sorgen können. Hast Du eine solche Idee oder gibt es in deiner Region Beispiele für eine gute und faire Organisation des bürgerschaftlich freiwilligen Engagements oder kurz: des Ehrenamts? Schreibe mir bitte oder lass einfach einen Kommentar da.
Für heute bin ich durch mit dem heutigen Thema. Das nächste ist aber schon in der Mache. Wie es aussieht, wird es eine Fortsetzung dieser Folge werden. Das liegt natürlich auch ein wenig an Dir und Euch. Wenn es dich also interessiert und Du einen Beitrag dazu leisten möchtest, nimm bitte Kontakt mit mir auf. Du findest alles wichtige auf meiner Homepage www.radio-salix.de. Ich freue mich auf deine Nachricht.
Damit sage ich für heute Tschüss – Der Axel